Am 03.07.1635 beschloss das Kapitel des Stiftes den Neubau des Broichhofes zur Bewirtschaftung der Burgländereien (17). Im Dezember 1635 verpachtete das Stift den Hof für 12 Jahre an Friedrich Weinreis und seine Frau Christina Münchs für 7 Malter Weizen und 7 Malter Hafer jährlicher Pacht. (Malter, ein Hohlmaß; 1 Kölner Malter = 164 Liter) (18). Das Ehepaar war bereits Pächter des Fronhofes und der Ölmühle des Stiftes in Niederbachem. Am 08.11.1636 kaufte das Stift von verschiedenen Eigentümern insgesamt circa 16 Morgen Land im Kessel des Rodderberges. In dieser Urkunde wird auch der "graben" im Broich, die mittelalterliche Burgwassergrabenanlage innerhalb derer der Hof neu errichtet wurde, erwähnt (19). Am 09.08.1639 waren die neuen Gebäude weitgehend fertiggestellt, die Pächter hatten den Hof aber noch nicht bezogen (20). Schon am 12.06.1641 wurde ein neuer Pachtvertrag, den Fronhof, die Ölmühle und den Broichhof umfassend, mit dem Ehepaar auf 12 Jahre abgeschlossen. Für den Broichhof war weiterhin die alte Pacht zu zahlen (21). Am 14.12.1650 schloss das Stift mit Andreas Torweiler und seiner Frau Agnes einen Pachtvertrag, nur über den Broichhof, ab, wieder auf 12 Jahre, nun für 10 Malter Korn und 10 Malter Hafer jährlicher Pacht. Zum Hof gehörten laut Pachtvertrag die 18 Morgen Burgländereien und 51 Morgen hinzugekauftes Land, davon 3 Morgen Wald und Wiesen (22). 1676 war Thiß (=Matthias) Hüllen Pächter (23), 1680 Christoph Voss (24).
1693 (25) und 1696 (26) wird Maria Pinnen als Pächterin des Broichhofes erwähnt. Sie starb am 16.01.1709 (27), ihr Grabkreuz steht auf dem Niederbachemer Friedhof. Sie war verheiratet mit Peter Völsgen, verstorben am 22.11.1704 (28). Er stammte aus Muffendorf, wo ihn seine Eltern, Christoph Völsgen und seine Frau Margaretha, am 12.07.1626 taufen ließen (29). Auf dem Broichhof befindet sich ein Vertrag vom 31.03.1656 in dem Christoph Völsgen als Verkäufer einer Parzelle in Mehlem erscheint. Peter Völsgen hatte am 19.01.1700 einen neuen Pachtvertrag über den Broichhof abgeschlossen: "Mit dem Pächter von Broich ist in Gegenwart seines Schwiegersohnes ein neuer Pachtvertrag für diesen Hof auf 12 Jahre abgeschlossen worden. Danach sind alljährlich 11 Malter Korn und Hafer zu liefern und über das bisher an uns gelieferte Ohm (Maßeinheit, ca. 150 Liter) Wein ein weiteres Ohm nach einer guten Ernte im folgenden Jahr zu liefern, in dem Maße wie es wächst (übersetzt) (39). Das Ehepaar hatte das Erbpachtrecht für den Broichhof erworben, in seinem Testament bestimmte Peter Völsgen seinen einzigen Sohn Leonhard, seit dem 04.07.1706 (31) verheiratet mit Agnes Riegel, Tochter von Heinrich Riegel und Agnes Klins, Pächter des Werther Hofes in Kürrighofen, zu seinem Nachfolger: " 25.02.1707: Der Bauer aus Broich bei Niederbachem erklärt in seinem schriftlich hinterlassenem Testament, dass er den Anbau und die Nutzung der Früchte, wie er sie inne gehabt hat, aus der Bewirtschaftung des Landgütchens dort, mit allen Lasten und Rechten, mit Zustimmung der Kapitelsherren, an seinen einzigen Sohn überträgt. Die Kapitelsherren genehmigen das, nur soll er regelmäßig die übliche Pacht bezahlen" (32). Im Kessel des Rodderberges treffen die Gemarkungsgrenzen von Niederbachem, Mehlem und Rolandswerth aufeinander. Laut Mehlemer Schatzbuch gehörten am 11.02.1712 insgesamt 29 Morgen Land in der Gemarkung Mehlem zum Broichhof (33).
Leonhard Völsgen verstarb am 29.11.1704 (34), Nachfolger wurde sein Sohn Reiner Völsgen, verheiratet mit Ursula Waldbröhl. 1784 (35) wird als Hofpächter ein Werner Völsgen erwähnt, doch der Vorname ist wahrscheinlich verschrieben, weil zu dieser Zeit entweder noch Reiner Völsgen oder aber sein Sohn und Nachfolger Jakob (1790 als Pächter erwähnt (36)) den Hof pachtete. Im 18. Jahrhundert betrug die Pacht 12 Malter Korn und 12 Malter Hafer; in Geld: 1 Reichstaler und 12 Stüber (37). Die Pacht betrug, wie allgemein üblich, ungefähr die Hälfte des Ernteertrages. Die Pächter hießen deshalb Halfen oder Halfwinner, abgeleitet von Halbgewinner. Der Pächter des Broichhofes wurde "Broichhalfe" genannt (38).
1794 wurde das linksrheinische Land von Frankreich besetzt. Am 08.06.1802 wurden die linksrheinischen Klöster und Stifte aufgehoben und deren Besitz französisches Nationaleigentum.

(17) dasselbe, Akte 67f, S. 219b.
(18) dasselbe, Akte 67f, S. 330b.
(19) dasselbe, Urkunde Nr. 583.
(20) dasselbe, Akte 67f, S. 334b.
(21) dasselbe, Akte 22b, S. 100f.
(22) dasselbe, Akte 22a, S. 1f.
(23) dasselbe, Akte 67g, S. 127b.
(24) dasselbe, Akte 67g, S. 273a.
(25) Personenstandsarchiv Brühl, Kath. Pfarre Niederbachem, Kirchenbuch N 1855, S. 17
(26) dasselbe, S. 26.
(27) siehe (24) S. 40
(28) siehe (24) S. 48.
(29) Personenstandsarchiv Brühl, Kirchenbücher Muffendorf, Taufe 12.07.1626.
(30) siehe (17) Akte 67k, S. 22a,b.
(31) siehe (25) Heiraten 04.07.1706.
(32) siehe (17) Akte 67k, S. 213b.
(33) Abschrift im Pfarrarchiv Niederbachem
(34) siehe (24), S. 38.
(35) Stadtarchiv Bonn, Kreisbibliothek, Akten IIb 450.
(36) siehe (17), Bestand Siegburg, Akten 67b.
(37) Chr. von Stramberg, Rheinischer Antiquarius, 3. Abtl. Bd. 10, S. 654(38) siehe (35).