Wie die meisten rheinischen Wasserburgen, so ist auch der Broichhof aus einer Motte des 11./12. Jahrhunderts hervorgegangen. Eine Motte, eine Frühform der mittelalterlichen Niederungsburg, bestand aus einem künstlich aufgeworfenem und von einem Wassergraben umgebenen Erdhügel, auf dem ein meist hölzerner Turm errichtet war. Nach Katasterkarten von 1810 (1) lag unmittelbar westlich des Broichhofes eine Parzelle, die den Verlauf der Wassergrabenanlage der Motte zeigt. Diese Parzelle wird in dem dazugehörigen Katasterbuch (2) mit dem Flurnamen "Im Sodel" bezeichnet. Ein Sodel ist ein im Felde liegender Wassergraben (3). Zwar ist als Nutzungsweise "Obstgarten" angegeben, doch der Flurname hat den ursprünglichen Zustand überliefert.
Im 13./14. Jahrhundert wurde die Motte aufgegeben und unmittelbar östlich an sie anschließend eine neue Wasserburg an der Stelle des heutigen Hofes angelegt. Vielleicht lag hier ursprünglich der Wirtschaftshof der Motte. Die Burg wurde nach den Katasterkarten von 1810 in Rechteckform von cica 90 Metern Länge und circa 35 Metern Breite von einem fünf Meter breiten Wassergraben umschlossen. Nach der Tranchot-Karte von 1808/09 (4) trennte damals noch ein Quergraben die Insel in zwei Teile. Die Wasserburg hatte die typische zweiteilige Gestalt eines mittelalterlichen Adelssitzes, nämlich eine Hauptburg (Herrenhaus) und eine getrennt davon liegende Vorburg (Wirtschaftshof). Außer den Wassergräben wurde die Burg auch durch einen sich in nördlicher Richtung anschließenden Sumpf oder Broich geschützt, der auch die Füllung der Wassergräben gewährleistete. Der Sumpf wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Anlage von Gräben trockengelegt.
Im Frühjahr 1984 wurden bei Erdarbeiten im Innenhof spätmittelalterliche Fundamentmauern der Burg freigelegt (5). Die neunzig Zentimeter breiten Mauern verlaufen parallel in einem lichten Abstand von drei Metern in Nord-Süd Richtung in unbekannter Länge. Zum Mauerbau wurden ortsfremde Buchsteine und eine Kies-Lehm Mischung als Verbundmaterial verwendet. Die Mauern bildeten das Fundament einer Brücke oder Zugbrücke über den Wassergraben.

Der Broichhof auf einer Katasterkarte von 1810. (Beschriftung: Verfasser)Die Wassergrabenanlage wird bereits in einer Urkunde von 1636 erwähnt (6). Im Jahre 1800 heißt es: "Hof mit waßen (=Wiesen) mit dem weyer "(7). In einem 1835 erschienen Buch wird der "...Bruchhof, eine Meierei, von drei Seiten mit einem 8-10 Fuss tiefen Wassergraben umzogen..." erwähnt, was der Situation von 1810 entspricht: an die östliche Hofseite schloss sich  die vom Wassergraben umgebene Wiese an. (8). Nach einem undatierten Plan wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Wassergrabenanlage um 20 Meter nach Westen verlängert und der Graben auf acht Meter verbreitert, so dass die Anlage nun 115 Meter lang und 38 Meter breit war (9). Nach der Urkatasterkarte von 1882 war die Anlage bis auf einen Restwassergraben im Osten von insgesammt 110 Metern Länge, der heute noch 60 Meter lang ist, wieder zugeschüttet (10).
Die Burg war wahrscheinlich Sitz der Familie von Bachem. Das erste nachweisbare Mitglied der Familie ist Ezelinus von Bachem, der vor 1174 zusammen mit seiner Tochter Eveza dem Kloster Nonnenwertn eine Landschenkung von 16 Morgen machte. Außerdem vermachte er dem Kloster für das Heil seiner Seele zwei weitere Morgen Land und einen dritten Morgen für seinen Sohn Helya (11). Noch Anfang des 17. Jahrhunderts war das Kloster Nonnenwerth, nach dem Stift St. Gereon, zweitgrößter Grundbesitzer im Kessel des Rodderberges (12). 1257 erscheint ein Heinrich von Bachem als Zeuge beim Verkauf des Niederbachemer Auenhofes (13). Ein anderer Heinrich von Bachem war es, der die ersten Beziehungen zum Stift St. Gereon in Köln, dem späteren Besitzer der Burg, knüpfte: 1353 schenkte der Priester Heinrich von Bachem, Vikar an St. Gereon in Köln, den Priestervikaren der Stiftskirche eine jährliche Rente von einer Mark (Jahresgehalt eines Pfarrers damals: acht Mark). Einer der Zeugen war Johann von Mehlem. Von dem Stiftungskapital (1 Mark = 12 Schillinge) waren acht Schillinge von einem Weingarten im "Bendeacker" und vier Schillinge von einem Weingarten in der oberhalb (von Niederbachem) gelegenen "Dele" zu beziehen (14). Die Flurnamen deuten auf den Rodderbergkessel hin: Bende, Benden = feuchte Wiese im Talgrund, meist abgelegen; Dele, Delle = Talmulde, Niederung, oft etwas sumpfig, aber ohne fließendes Wasser (15).
Die Burg wurde im Spätmittelalter aufgegeben. 1567 befanden sich die aufgegeben Burgstelle und 18 Morgen dazugehörige Ländereien im Besitz des Kölner Stiftes St. Gereon. Der Besitz war zehntfreies Allodialgut, d. h. die Burg war volleigener, frei verfügbarer Besitz und kein Lehnsbesitz. Die Ländereien, aus vier Parzellen "im Broich", dem Rodderbergkessel, bestanden, wurden vom Niederbachemer Fronhof des Stiftes aus bewirtschaftet (16).




Der Broichhof auf einer Katasterkarte von 1810 (Beschriftung: Verfasser)


(1) Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Zweigarchiv Schloß Kalkum, Bestand Reg. Bez. Köln, Katasterkarten (1810) und Katasterbücher (1812), Niederbachem und Mehlem.
(2) siehe (1)
(3) Heinrich Dittmeier, Rheinische Flurnamen, Bonn 1963, S. 292.
(4) Kartenaufnahme der Rheinlande durch Tranchot und v. Müffling, Blatt 103, Bad Godesberg, 1808/09.
(5) Bonner Jahrbücher, Band 186, Rheinland-Verlag, Köln 1986, S. 670.
(6) Historisches Archiv der Stadt Köln, Bestand St. Gereon, Urkunde Nr. 583.
(7) "Declarationen" der Bürger von Niederbachem über ihren Besitz, Pfarrarchiv Niederbachem.
(8) C. Thomae, Der vulkanische Roderberg bei Bonn, Bonn 1835, S. 6.
(9) General-Anzeiger Bonn, 21.02.1951.
(10) Kreisverwaltung des Rhein-Sieg-Kreises, Urkatasterkarte Niederbachem, 1882.
(11) W. Günther, Codex diplomaticus Rheno-Mosellanus, Band 1, Koblenz 1822, Nr. 193.
(12) Historisches Archiv der Stadt Köln, Bestand St. Gereon, Akte 67f, S. 219b.
(13) P. Joerres, Urkundenbuch des Stiftes St. Gereon zu Köln, Bonn 1893, Nr. 142, S. 146.
(14) derselbe, Nr. 392, S. 397f.
(15) Heinrich Dittmeier, Rheinische Flurnamen, Bonn 1963, S. 23, 49.
(16)Historisches Archiv der Stadt Köln, Bestand St. Gereon, Akte 22f, S. 4a.